Dutzende Fachleute aus dem Rathaus vertrieben

In der MOZ vom 18.01.2018 wird Matthias Rudolph in der Überschrift zitiert mit „Mein Führungsstil ist kooperativ“. Was das Rathaus betrifft, sprechen die Zahlen und die Erfahrungen vieler eine andere Sprache.

Denn das Wort „kooperativ“ hat für Herrn Rudolph eine andere Bedeutung. Er will sich mit Menschen umgeben, die ihm nicht widersprechen, die seine Kompetenz nicht in Frage stellen.

Das hat zur Folge, dass in den vergangenen vier Jahren 56 Mitarbeiter*innen gekündigt haben, wie Herr Rudolph am 31.05.2022 in der MOZ zur Kenntnis gab. Er tut so, als sei das normal. Mitnichten!

Es sind vor allem leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Juristen, Amtsleiterinnen und Amtsleiter, leitende Beschäftigte der Feuerwehr, der Erste Beigeordnete, ein Werkleiter, eine Betriebsleiterin, die Gleichstellungsbeauftragte, die Spielplatzkoordinatorin, das Beteiligungsmanagement, die Vergabestelle und zuletzt die Kämmerin, die gegangen sind, rund drei Dutzend an der Zahl.

Viele wollten einfach nur noch weg, weil sie sich nach Kritik am Leitungsstil von Herrn Rudolph gegängelt und von ihm persönlich unter Druck gesetzt fühlten. Die Spitze des Eisberges sind gerichtliche Verfahren, die Einzelne auf sich genommen haben, um sich gegen Abmahnungen, willkürliche Behandlung oder unzutreffende Arbeitszeugnisse zur Wehr zu setzen. Die Klagewelle hat Kosten in bislang unbekanntem Ausmaß verursacht – für einzelne, aber auch für die Stadt Fürstenwalde.

Nicht umsonst wurde durch die Stadtverordneten eine externe Mobbing-Beratung für betroffene Beschäftigte des Rathauses eingerichtet. Zwei Pfarrerinnen nahmen sich der Betroffenen an und haben in ihrem Abschlussbericht, der leider nicht veröffentlicht werden darf, klare Worte gefunden.

Sowohl die Kosten als auch die Gesundheit der Beteiligten spielen für Herrn Rudolph offenbar keine Rolle. Er nimmt auch billigend in Kauf, dass Menschen dem psychischen Druck nicht gewachsen sind und deshalb krankheitsbedingt monatelang ausfallen. Nicht eingerechnet sind all jene, die aufgrund des Führungsstils des Bürgermeisters eher als geplant in Rente gegangen sind.

Das, was der Erste Beigeordnete in einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung im November 2020 mit „die Verwaltung implodiert“ beschrieben hatte, ist traurige Realität geworden. Ein beispielloser Aderlass hat dazu geführt, dass Knowhow, Wissen und Erfahrung nicht – wie sonst üblich – übergeht auf neue Mitarbeitende, sondern nicht mehr zur Verfügung steht (Beispiel SPIKO). Die Spielplatzkommission hat ihre Arbeit inzwischen eingestellt, weil die Stelle nach der Kündigung der Koordinatorin seit 2019 nicht wieder besetzt wurde. Sie war ein deutschlandweites Vorbild für ein einzigartiges Beteiligungskonzept im Bereich der Entwicklung von Spielplätzen mit Kindern, Jugendlichen und Familien.

Rudolphs Wahlkampfversprechen „Behutsamen Generationenwechsel in der Verwaltung vollziehen“ ist ad absurdum geführt. Gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in verantwortungsvollen Positionen haben „mit den Füßen abgestimmt“ und zumindest für sich persönlich Gängelung und mangelnde Wertschätzung beendet. Langgediente Verwaltungsfachkräfte haben ihre Erfahrungen in andere Kommunen und Behörden mitgenommen. Das ist keine normale Fluktuation, sondern ein Ausbluten der Verwaltung.

In nur vier Jahren hat der Bürgermeister drei Personalratsvorsitzende verschlissen. Bereits ein Jahr nach Amtsantritt Rudolphs trat der damalige Personalrat geschlossen zurück, seitdem mussten wegen Mandatsniederlegungen von Mitgliedern wiederholt außerordentliche Neuwahlen stattfinden.  Einzigartig und beispiellos in den vergangenen 30 Jahren waren Dienstaufsichtsbeschwerden von Personalrat und Mitarbeitenden gegen ihren Chef. Dies betraf sowohl den persönlichen Umgang von Herrn Rudolph mit Corona-Regeln, aber auch die Missachtung und Behinderung der Arbeit des Personalrats und der Gleichstellungsbeauftragten