Nebentätigkeit des Bürgermeisters
Oder: der Tag hat für alle 24 Stunden

Jeder Mensch hat ein Leben, bevor er in eine wichtige Funktion gewählt wird, so auch Matthias Rudolph. Noch im Jahr 2019 fand man im Internet die Information, dass Matthias Rudolph zum Thema Baufinanzierung berät.

Nun ist eine Nebentätigkeit im Falle eines Bürgermeisters keine Kleinigkeit, sondern bedarf der Genehmigung durch die Stadtverordnetenversammlung. Im Juli 2019 stellte  Matthias Rudolph den Antrag auf eine entgeltliche Nebentätigkeit und begründete ihn mit der zeitlichen Befristung seines Wahlamtes. Er erläuterte, dass er wenigstens Teile seines Kundenstamms weiterhin betreuen wolle. Den Arbeitsaufwand für sporadische Beratungsgespräche am Wochenende und notwendige Weiterbildungen schätzte er mit 1 bis 2 Stunden pro Woche ein.

Bedenken wurden laut, wie er Amt und Nebentätigkeit trennen wolle. Denn Kenntnisse über die Vorbereitung von Baugebieten, die mögliche Ansiedlung von Unternehmen oder andere Bauherren in der Umgebung sind ein grandioser geldwerter Vorteil. Aus Sicht von Bauwilligen geradezu eine ideale Kombination, wenn Bürgermeister und Finanzierungsberater eine Person sind – und aus Sicht von Matthias Rudolph offensichtlich auch extrem erstrebenswert. Interessenkonflikte zwischen Amt und Beratung von privaten Interessenten seien praktisch vorprogrammiert, argumentierten die Stadtverordneten. Nachvollziehen konnte Matthias Rudolph diese Gedanken nicht. Ebenso wenig wie die Nachfragen, ob er denn mit seinem gewählten Amt als Bürgermeister nicht vollauf zu tun habe – oft bis spät in die Nacht, bei Sitzungen und in Gremien, die seine Mitarbeit erfordern.

Nach gründlichen Diskussionen unter den Stadtverordneten über die Statthaftigkeit des Ansinnens und die Verhältnismäßigkeit einer Versagung wurde in der Stadtverordnetenversammlung am 09.10.2019 namentlich abgestimmt: 11 Stadtverordnete sprachen sich für eine Genehmigung aus, 15 stimmten dagegen, drei Stadtverordnete enthielten sich.

Trotz der eindeutigen Empfehlung der Mehrheit der Stadtverordneten legte Matthias Rudolph am 29.02.2020 Widerspruch gegen die Entscheidung ein. Erst nach erneuter Versagung der Genehmigung meldete Matthias Rudolph sein Gewerbe ab.