Vertrauensvolle Zusammenarbeit a la Rudolph – ein Tatsachenbericht

Etwa ab Mai 2020 konnten regelmäßige Besucherinnen und Besucher des SCHWAPP dort ein neues Gesicht entdecken: einen Mann, der sich alles genau ansah, der viele Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führte.

Es war Dr. Rainer Schieben, ein Mann, der sich schon bei der Sanierung von Pneumant einen Namen gemacht hatte. Er war von der Bürgerhaus GmbH, die im SCHWAPP die Personalgestellung verantwortet, beauftragt worden, ein Sanierungsgutachten gemäß IDW S6-Standard mit den Unterthemen Sanierungswürdigkeit, Sanierungsfähigkeit, Fortbestandsprognose, Sanierungskonzept (kaufmännisch) und technische Sanierung auszuarbeiten.

In einer Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung am 01.12.2020 stellte er anhand einer Präsentation die Grundzüge seiner Überlegungen vor. Er hatte Umsatzstrukturen der verschiedenen Bereiche analysiert, zeigte auf, welche Bereiche mit Gewinn arbeiten und welche nicht und machte Vorschläge, wie das Bad insgesamt zumindest mit einer schwarzen Null betrieben werden kann.

Außerdem machte er Vorschläge, die deutlich über das Gutachten hinausgingen, welches das Ingenieurbüro Wach zur Sanierung des Komplexes schon vorgelegt hatte. Während Wach nur den vorhandenen Status quo sanieren wollte, ging Schieben davon aus, dass es möglich wäre, mit dem gleichen finanziellen Aufwand zusätzliche Attraktionen und Angebote zu realisieren.

Das war es dann. Eine weitere Auseinandersetzung mit Dr. Schiebens Vorschlägen fand nicht mehr statt, denn zu dieser Zeit traten die Protagonisten von Surf Era auf den Plan und fortan galt für den Bürgermeister nur noch eine Devise: das SCHWAPP muss abgerissen werden.

Also verschwand das Schieben-Gutachten in der Versenkung, und zwar so vollkommen, dass sich kaum noch jemand daran erinnert hat. Wenn trotzdem die Sprache darauf kam, dann bemühte sich der Bürgermeister, es schlecht zu reden, dem Autor vorzuwerfen, keine Ahnung von Gebäudesanierung zu haben, kein Fachmann zu sein, kein Gutachten machen zu können, weil er kein Gutachter sei usw.

Diese Strategie war umso leichter umzusetzen, als die Stadtverordneten, mich eingeschlossen, das eigentliche Gutachten nie gesehen oder gelesen hatten. Niemand wusste, dass der damalige Auftrag die Erarbeitung eines wirtschaftlichen Sanierungskonzepts war und die Überlegungen zur technischen Sanierung praktisch noch obendrauf kamen. Alle kannten nur die Präsentation vom 01.12.2020, also die zusammenfassenden Aussagen, und alle waren anscheinend der Meinung, dass es mehr nicht gibt.

Als ich am 1. Juni 2022 vom Bürgermeister per Mail Einsichtnahme in das Gutachten verlangt habe, – von dem ich damals noch dachte, es sei ein technisches Sanierungsgutachten -, antwortet er in der für ihn üblichen arroganten Art mit einer Belehrung, meine Frage sei verkehrt: „Ein IDW S6-Gutachten von Herrn Dr. Schieben kann niemals eine Alternative zu einem baufachlichen Sanierungskonzept eines Ingenieurbüros sein“.  Rausgerückt hat er es nicht.

Ich habe weiter recherchiert, habe in Erfahrung gebracht, dass sowohl der Bürgermeister als auch die damalige Leiterin der Stabsstelle Beteiligungen im Rathaus ein Exemplar des Gutachtens haben müssten. Aber selbst als ich am 22. Juni 2022 unter Zeugen dem Bürgermeister meinen Chatverkehr im Telefon gezeigt habe, in dem Dr. Schieben ausdrücklich bestätigt, dass er das Gutachten in zweifacher Ausfertigung ins Rathaus gegeben hat, versuchte dieser sich noch herauszureden mit den Worten: Da muss ich mich erst mal erkundigen.

Inzwischen liegt es vor. Es umfasst eine ausführliche Analyse der ökonomischen Situation vor zwei Jahren und enthält viele nach wie vor sehr bedenkenswerte Vorschläge, wie der Betrieb wirtschaftlicher gestaltet werden kann. Was es nicht enthält, sind die Vorschläge zur baufachlichen Sanierung, die Dr. Schieben am 01.12.2020 in seiner Präsentation dargelegt hat. Wo sind die? Gibt es dazu evtl. einen Zusatzteil, der uns nach wie vor vorenthalten wird, weil er die wie in Stein gemeißelten 27 Millionen Kosten des Herrn Wach in Frage stellen könnte?

Fest steht aber jetzt schon, dass eineinhalb Jahre sinnlos verstrichen sind, weil auch der vorhandene Teil des Gutachtens nicht in das Konzept  „Schließen und Abreißen“  des Bürgermeisters passte und weil es deshalb niemand kennen durfte.

Gerold Sachse

P.S.  Heute, Mitte Juli, zwei Wochen nach Fertigstellung des o.a. Textes, steht fest, dass Dr. Schieben tatsächlich, quasi als Zugabe, auch noch Ausführungen zur baulichen Sanierung gemacht hat. Ein Exemplar hat, – nach seiner Aussage – der Bürgermeister, ein zweites ist im Bereich „Bauen“ im Rathaus. Ich habe es angefordert.